Sockenlegende

Wie kommt die Socke an diesen Namen?


Es hat eine ganze Weile gedauert, aber weil die Socke langsam von Euren Fragen ziemlich durchlöchert wurde, kommt hier die ultimative Sockenlegende. Nun ja, ganz so einfach möchte ich es euch nicht machen. 🙂

Von den angegebenen drei Möglichkeiten könnt ihr euch diejenige aussuchen, die euren Wahrheitsdurst am besten zu stillen scheint. Vielleicht steckt aber auch in allen dreien ein Fünkchen Wahrheit…

  • Es begab sich zu einer Zeit, als man den Wechsel des Jahrzehnts feierte. Das Datum war der 31. Dezember 1989, und der gregorianische Kalender meinte, dass dies der falsche Tag war. Schließlich endet ein jedes Jahrzehnt in seinem zehnten Jahr, welches das Jahr des Herrn 1990 gewesen wäre. Vermutungen, dass auch der so oft beschrieene Milleniumswechsel ein Jahr zu früh gefeiert werde, kann ich also nur bestätigen. Trotzdem führt dieser Gedanke vom Thema ab.

    Nun ja, zurück in die Schweiz, wo ein sechzehnjähriger Deutscher namens Oliver Ding mit einem Freund schon etwas von alkoholischen Getränken angeheitert den Klängen einer Radiosendung des Südwestfunks lauschte. Dort ließ sich eine Comedyshow namens ElevenUp nicht lumpen, gehörigen Schwachfug unters radiohörende Volk zu bringen. Von diesem Unfug inspiriert erzählte jener mysteriöse Freund namens Carsten Gründel (damals 15) die Geschichte eines Lehrers an seiner Schule.

    Jener Lehrer nannte seinen Worten nach eine Sockenkiste sein eigen, der er jeden Morgen ein Paar Strümpfe entnahm, die seine Füße kleiden sollten. Ein Großteil dieser Kiste war angefüllt mit etwas, das in den Achtzigern als Tennissocke bekannt war. Näher auf dieses Phänomen einzugehen überlasse ich aber anderen.

    Eines Morgens also, als jener Lehrer wohl ein wenig in Eile seine Heimstatt verlassen hatte, trugen seine Füße jene Kleidungsstücke. Diese waren an den jeweiligen Außenseiten mit Abbildern von Sportlern geschmückt. Dies wäre nicht unnormal gewesen, wären es auch an jenem Morgen Sportler gewesen, die der gleichen Tätigkeit nachgegangen wären. Doch, siehe, den linken Fuß schmückte ein Golfer, wohingegen die Socke, die den rechten Fuß bekleidete, von einem Tennisspieler verziert war. Auf diesen Missgriff angesprochen reagierte der Lehrer erst peinlich berührt, nahm aber dennoch eben diesen Missgriff zur Gelegenheit, fürderhin seine Fußbekleidung unangepasst zu wählen und keine Rücksicht mehr auf gleichartige Strümpfe zu nehmen.

    Ob derlei Konsequenz beeindruckt, nahm sich Oliver dies zum Beispiel und gelobte, da er noch keinen Vorsatz für das dräuende neue Jahrzehnt gefasst hatte, es jenem Lehrer künftig gleichzutun.


  • Die politisch interessierten unter uns mögen sich noch an die Zeit erinnern, als das Land aus dem die leckeren Äpfel von Cape, die Diamanten und der Krügerrand stammen, von einem Regime beherrscht urde, das die Politik der Apartheid verfolgte. Dem schon oben erwähnten jungen Oliver missfiel diese Politik, da sie vorsah, Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe bestimmte Rechte vorzuenthalten. Dies empfand er als ein schweres Unrecht, womit er nicht allein war. Die Einstellung zu diesem Unrecht wurde durch Filme wie Cry freedom – Schrei nach Freiheit und A white dry season – Weiße Zeit der Dürre nur verstärkt.

    Nachdem viele Menschen bei vielen Gelegenheiten ihre Sympathie mit den Schwarzen in Südafrika und ihrer Symbolfigur Nelson Mandela bekundet hatten, wollte auch Oliver ein Zeichen setzen und bekundete, daß nunmehr die Apartheid an seinen Füßen aufgehoben sei. Er stellte öffentlich die Frage „Wenn schwarz und weiß an meinen Füßen miteinander auskommen, warum tun sie dies nicht auch in Südafrika?“ und mischte vom Tage seiner Einsicht – es war der 1. Januar 1990 – seine Socken, auf daß nun auch rot, grün, blau und gepunktete Strümpfe miteinander auskommen sollten.


  • Im Haushalt der Familie Ding wurde um die Zeit des Jahresbeginns 1990 ein neues Regiment eingeführt, das die Wäsche der vier Familienmitglieder betraf. Um die nun wieder berufstätige Mutter ein wenig zu entlasten, sollte ein jeder seine Socken selber waschen und sie ebenso nach der Wäsche aufhängen und zusammenrollen. Der junge Oliver war damals schon der Faulheit verfallen und sinnte nach Wegen, die neuaufgekommene Belastung zu reduzieren. Eine Idee gab ihm das Rätsel des Sockenschwundes, das jedem unter uns bekannt sein dürfte. Welchen Sinn macht es schließlich, die Strümpfe nach gleicher Art zu sortieren, wenn es doch unweigerlich zum oben erwähnten Phänomen kommen und jede Sortierungsgrundlage entfallen würde. Also entsagte er dem Bedürfnis, seine Füße mit sortierten Socken zu kleiden. Ebenso sah er davon ab, diese Socken zu falten, zusammenzulegen oder gar zu paarweise einzurollen, denn dies hätte ja wiederum ein Mehr an Arbeit bedeutet.

Dies seien die drei Legenden, die um die Fußbekleidung der Socke gestrickt wurden. Fakt ist jedenfalls, daß er um den Jahreswechsel 1989/1990 damit begann, unterschiedliche Socken zu tragen. Um dies zu illustrieren, will ich noch ein Zitat aus der Abiturzeitung des Jahrgangs 1993 des Paul-Klee-Gymnasiums Overath einfügen:

Olli war einer der ganz normalen Verrückten, die den Schultrott so abwechslungsreich machten. Er trug nämlich zwei verschiedene Socken. Nein, nein, nicht nur einen linken und einen rechten – das wär‘ ja ganz normal -, sondern zwei vollkommen verschiedene (Meine Lieblingskombination war links schwarz und rechts rot-weiß geringelt.)

Welcher dieser Legenden ihr nun Glauben schenken wollt, sei nun aber wirklich euch überlassen.

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